Bilder von Bethges Lebensweg und Susannes Erinnerungen

 

Bilder von Bethges Lebensweg und Susannes Erinnerungen

14.8.2011: 14. Bonhoeffertag in Friedrichsbrunn

Ein Bericht von Pastor i. R. Dr. Günter Ebbrecht, Einbeck, abgedruckt im Rundbrief der ibg Nr. 96, Oktober 2011, S. 61–63

Am Sonntag, den 14. August 2011,wurde die von der ehemaligen Pfarrerin von Friedrichsbrunn Wanda Krüger begonnene Tradition der Bonhoeffertage fortgesetzt. Die Kirchengemeinde hatte zum 14. Bonhoeffertag eingeladen, der wie im Jahre zuvor in enger Verbindung mit dem Heimat- und Brunnenfest Friedrichsbrunn am Tage davor gefeiert wurde. Es ist ein gutes Zeichen, dass das Erbe der Familie Karl und Paula Bonhoeffer, das sie mit ihrem Ferienhaus in Friedrichsbrunn hinterlassen haben, vor Ort und regional fortgesetzt wird. Zahlreiche Gäste aus Friedrichsbrunn, aber auch weit darüber hinaus – so aus Straßburg, aus Berlin oder Gütersloh – waren zum Bonhoeffertag nach Friedrichsbrunn gekommen, darunter etliche Mitglieder der Internationalen Bonhoeffer Gesellschaft. Dazu hat die im Rundbrief abgedruckte Einladung und das Programm dankenswerterweise beigetragen.

Der Sonntagmorgen begann mit einem Gottesdienst im Garten und auf der Wiese hinter dem Bonhoefferhaus. Erneut überraschten die Superintendentin Angelika Zädow und die Gemeindepfarrerin von Thale Ursula Meckel die Gottesdienstbesucher mit einer lebendigen Dialogpredigt. Ausgangspunkt war das der Kirchengemeinde geschenkte Taufgeschirr aus Zinn, das zur Predigt über das Wesen der Kirche: ‚Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt‘ inspirierte. Hineingewoben in den Gottesdienst mit Lesung, Posaunenchor, Sologesang und kräftigem Gemeindegesang war das Gespräch zwischen den beiden Theologinnen über Matthäus 5,13-16. Als Beispiel für das Volk Gottes als Salz der Erde wurde an Dietrich Bonhoeffers kirchliches und politisches Eintreten für eine glaubwürdige Kirche erinnert und auf afrikanische Christen in Simbabwe verwiesen, die sich seit 2008 für die unterdrückte Bevölkerung einsetzen.

Gegen Hunger und Durst haben Garbiela Zehnpfund und ihr Mann mit einer schmackhaften Grillmahlzeit gesorgt: eine augenfällige Symbiose von ‚Cafe Bonhoeffer‘ und von den aktivierenden und spirituellen Impulsen Bonhoeffers. Für die kulturell-künstlerische Nahrung sorgte nach dem Mahl die Eröffnung der Ausstellung der Aquarelle von Pfr. i. R. Eberhard Vater von jenen Orten und Landschaften, in denen Eberhard Bethge in der Kirchenprovinz Sachsen, vor seiner Zusammenarbeit mit Dietrich Bonhoeffer in Finkenwalde, geboren und aufgewachsen war, gelebt und gewirkt hatte. Der Beraterkreis des Bonhoefferhauses hat inzwischen entschieden, das Aquarell des Ferienhauses in Friedrichsbrunn anzukaufen.

Am Nachmittag teilte sich die Festgemeinde auf. Die jüngeren und jüngsten Gäste erlebten auf der Wiese hinterm Bonhoefferhaus einen kunterbunten Nachmittag mit Spielen, Bastelaktivitäten, einem Stelzenmann und Kakao und Kuchen. Sie folgten damit den Geburtstagsfeiern von Susanne Dress, geb. Bonhoeffer, die sie in ihrer Kindheit oft am 22. August in Friedrichsbrunn im großen Rahmen feierte.

Die älteren an einem Vortrag interessierten Gäste versammelten sich in der Bonhoefferkirche. Hier stellte Dr. Ferdinand Schlingensiepen in seiner ihm eigenen treffenden Vortragsweise die Erinnerungen von Susanne Bonhoeffer an ihren Bruder Dietrich und an die Familienferien in Friedrichsbrunn vor. In einem einleitenden Beitrag zum Geschwisterverhältnis von Dietrich, dem älteren Bruder, und Susanne, der jüngsten Schwester, charakterisierte er anschaulich in unterschiedlichen Lebenslagen das Geschwisterpaar, vom kindlichen Spiel mit Holzklötzen über Kriegsspiele im Berliner Garten während des 1. Weltkrieges bis hin zu lockeren Partys, die ganz anders abliefen als die Feste im Hause Bonhoeffer. Dabei konnte Schlingensiepen auf bisher unveröffentlichte Erinnerungen von Susanne Dress, geb. Bonhoeffer, zurückgreifen, die er von ihrem Sohn, Prof. Dr. Andreas Dress, während der Vorbereitung seiner Bonhoefferbiografie erhalten hatte. Die Erinnerung der kleinen Susanne an ihren Bruder mag für viele andere stehen: „Ich glaube ich habe ihn ( gemeint ist Dietrich) angebetet; jedenfalls konnte ich mir keinen Jungen denken, der ihm überlegen war. Er war der Stärkste, Schnellste, Klügste, Einfallsreichste, Freundlichste, Frömmste und Schönste von allen Kindern, die ich kannte“.

Danach las Ferdinand Schlingensiepen aus Susannes ‚Erinnerungen‘ Auszüge jener Passagen vor, die die intensiven Erlebnisse Susannes in Friedrichsbrunn widerspiegeln. Die glühende Sehnsucht der jüngsten Bonhoeffertochter nach Friedrichsbrunn – für sie ein Ort der Freiheit – wurde ebenso anschaulich wie ihre Detailbeschreibungen der Wanderungen rund um Friedrichsbrunn mit den Wald- und Wiesenerlebnissen. Die Zuhörenden tauchten ein in die lebendige Schilderung der Bahnfahrt von Berlin nach Thale wie in das erschreckende Geschehen im Bergrat-Müller-Teich, wo Lenchen, das Kindermädchen fast ertrunken wäre, wäre sie nicht von ‚Hörnchen‘, der Erzieherin, gerettet worden. Vor dem inneren Auge der Zuhörenden erstand das turbulente Leben rund um das Schützenfest, wie wir solches von Dorffesten erwarten oder aus eigenem Erleben erinnern. Auch die schmollende Susanne, die nach einem verletzenden Wort ihrer späteren Schwägerin Grete sich in die Einsamkeit des Waldes zurückzieht und dort eigentlich ‚sterben‘ will, bis der Hunger sie wieder nach Hause treibt, kam den Zuhörenden in ihrer erstaunlichen Selbstreflexivität, die sich in der Schilderung ihrer Seelenlage äußert, nahe. Das alles wurde mit einem Schmunzeln vorgetragen. Die Zuhörer dankten Ferdinand Schlingensiepen mit einem kräftigen Applaus. Er hatte vermocht, die Friedrichsbrunner Urlaube der Bonhoeffers und damit die Bedeutung dieses Ferienortes und -hauses lebendig werden zu lassen, wie dies im Jahre zuvor Dr. Ilse Tödt mit ‚Friedrichsbrunn – Bonhoeffers Mittelgebirge‘ getan hatte.

Der Nachmittag in der Bonhoefferkirche wurde abgeschlossen mit Liedern von und zu Texten Dietrich Bonhoeffers von unterschiedlichen Komponisten, vorgetragen von der Kantorin Christine Bick aus Quedlinburg und ihrem Ehemann Hartmut. Ein heiterer und begeisternder Tag rundete sich. Sogar die Sonne trug dazu bei, indem sie mit den dicken Wolken kämpfte und obsiegte.

Die Gäste des 14. Bonhoeffertages – hoffentlich um weitere neue ergänzt – freuen sich auf den 15. Bonhoeffertag. Er soll am 19. August 2013 wieder in Friedrichsbrunn rund um das Bonhoefferhaus und in der Bonhoefferkirche begangen werden. Propst i. R. Dr. Heino Falcke hat sein Kommen zugesagt, sofern es seine gesundheitlichen Kräfte zulassen. Ein autobiografisch gefärbtes Vortragsthema wird die Gäste ansprechen: „Was mir Dietrich Bonhoeffer bedeutet hat – persönlich und im Dienst der Kirche.“ Sicher wird dabei auch ein Stück DDR-Geschichte zur Sprache kommen.

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