23. Bonhoeffertag am 23. August 2020: Abgesagt

Der für den 23. August 2020 angekündigte 23. Bonhoeffertag in Friedrichsbrunn findet nicht statt.

Nachdem die Landesregierung Sachsen-Anhalts am 26. Mai die 6. SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung erlassen hatte, befasste sich der Gesamtvorstand am 5. Juni mit den Rahmenbedingungen dieser für den Verein so zentralen  Veranstaltung, die immer mit einem Freiluftgottesdienst der Ev. Kirchengemeinde für den Pfarrsprengel beginnt.

Unter den derzeit gültigen Bedingungen scheint die Nachmittagsveranstaltung in der Kirche nicht zu realisieren zu sein. Wegen der einzuhaltenden Abstände dürften nicht so viele Besucher in die Kirche, wie in den letzten Jahren immer kamen. Kurze Einheiten, zwischendurch Lüften, und stets ohne Staus hinein- und herausgehen – diese Vorgaben sind mit unserem Programm schwer in Einklang zu bringen.

Angesichts der Umstände und Bedenken hat sich dann auch die Kirchengemeinde entschieden, auf den Gottesdienst zu verzichten. Die Kräfte sind begrenzt und es ist ungewiss, ob alle notwendigen Maßnahmen durchgeführt werden könnten. Die Gemeinde hofft, dass sich nach der Pause im kommenden Jahr mehr Menschen, aus dem Ort und von außerhalb, einladen lassen.

Der Programmentwurf (Stand 26.3.2020) bleibt zunächst für den Bonhoeffertag 2021 bestehen:

Familie(n)leben: Familienleben – Familie leben

11.00 Uhr: Festlicher Gottesdienst im Garten des Bonhoeffer-Hauses, Waldstraße 7, bei schlechtem Wetter in der Bonhoefferkirche,
mit dem Posaunenchor Thale, Leitung Christine Bick. Liturgie und Predigt: Pfarrerin Dr. Saskia Lieske, Thale

Anschließend Mittagsimbiss vom Grill

Ca. 13.15 Uhr: Am Familientisch – im Gespräch über Erfahrungen mit der Familie

14.00 Uhr: Vorträge und Gespräche in der Bonhoefferkirche

Familie(n)leben –

Ehe, Kindererziehung, kulturelles Leben und politisches Engagement im Hause Bonhoeffer
Pfarrerin Dr. Jutta Koslowski, Theologin und Autorin, Gnadenthal im Taunus

Familie(n) leben heute –

Familien als verlässliche Gemeinschaften in der Verantwortung für das Gemeinwohl stärken (Arbeitstitel)
Dr. Insa Schöningh, Bundesgeschäftsführerin der evangelischen Arbeitsgemeinschaft Familie e.V., Berlin

Vorträge und Gespräche mit den Referentinnen und den Besucher*innen

Ca. 16.00 Uhr Kaffee und Kuchen im Garten des Bonhoefferhauses

Vor 75 Jahren, kurz vor der Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8./9. Mai 1945, wurden vier Mitglieder der Familie Karl und Paula Bonhoeffer durch das NS-Regime ermordet: die Söhne Klaus und Dietrich Bonhoeffer und die Schwiegersöhne Hans von Dohnanyi und Rüdiger Schleicher. Sie waren aktiv im Widerstand eingebunden. Die übrige Familie wusste dies und unterstützte ihren Einsatz. Im Oktober 1945 schrieb der Vater, Prof. Dr. Karl Bonhoeffer, an Prof. Joßmann, einen seiner ehemaligen Mitarbeiter in der Charité, der als Jude rechtzeitig in die USA emigrieren konnte:

„Daß wir sehr viel Schlimmes erlebt und zwei Söhne (Dietrich, der Theologe, und Klaus, Chefsyndikus der Lufthansa) und zwei Schwiegersöhne (Prof. Schleicher und Dohnanyi) durch die Gestapo verloren haben, haben Sie … erfahren. Sie können sich denken, daß das an uns alten Leuten nicht ohne Spuren vorübergegangen ist. Die ganzen Jahre hindurch stand man unter dem Druck der Sorge um die noch nicht Verhafteten, aber Gefährdeten. Da wir alle aber über die Notwendigkeit zu handeln einig waren und meine Söhne auch sich im Klaren waren, was ihnen bevorstand im Falle des Mißlingens des Komplotts und mit dem Leben abgeschlossen hatten, sind wir wohl traurig, aber auch stolz auf ihre gradlinige Haltung“ (Bethge / Gremmels, Dietrich Bonhoeffer, München, 1986, S. 234).

Dieser Brief ist ein Zeugnis über den Zusammenhalt der Familie, die gemeinsam der Hitlerdiktatur, dem Unrechtsstaat, der Menschenverachtung in der millionenfachen Ermordung von Juden widerstanden hat.

Was ermöglichte den Widerständlern ihre ‚gradlinige Haltung‘? Aus vielen weiteren Zeugnissen aus dem Kreis der Familie geht hervor: es waren auch die familiären Bande, das Vertrauen untereinander und die erlernte Verantwortung für das eigene und das politische Leben.

Bewegend ist der testamentarische Brief von Klaus Bonhoeffer an seine Kinder Ostern 1945 aus der Haftanstalt Lehrter-Straße sechs Wochen nach dem Todesurteil. Er bittet seine Kinder, „in Liebe, Vertrauen, Ritterlichkeit und Sorge“ ihrer Mutter fest zur Seite zu stehen. Er fordert sie auf, als Geschwister in aller Verschiedenheit „fest und immer fester“ zusammenzuhalten. „Pflegt, was Euch zusammenführt. Spielt, singt und tanzt miteinander, wie wir es so oft gemacht haben.“ Er erinnert sie an den Ehering an seiner rechten Hand und an den Wappenring, den alle Bonhoeffersöhne trugen, an seiner Linken. Sein Testament: „Höre die Stimme der Vergangenheit. Verliere dich nicht selbstherrlich an die flüchtige Gegenwart. Sei treu der guten Art deiner Familie und überliefere sie Kindern und Enkeln… Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die rechte Haltung. Haltet stolz zu Eurer Familie, aus der solche Kräfte wachsen.“

Was kann Familie heute zur Bildung von Verantwortung für das eigene Leben wie das des Gemeinwesens beitragen?

Der 23. Bonhoeffertag in Friedrichbrunn, in dem die Familie ein Ferienhaus besaß, greift das Thema ‚Familie(n)leben: Familienleben – Familie leben‘ auf. Am Sonntag, den 23.8.2020 soll einen Tag lang im Gottesdienst, in Vorträgen, in Gesprächen mit sachkundigen Referentinnen und untereinander diesem Thema nachgegangen werden.

Der Tag beginnt mit einem Gottesdienst im Garten des Ferienhauses der Familie Bonhoeffer. Die Liturgie und Predigt wird gehalten von der Pfarrerin im Pfarrsprengel Dr. Saskia Lieske und mitgestaltet vom Posaunenchor Thale unter der Leitung von KMDin Christine Bick.

Nach einem Mittagessen vom Grill im Café Bonhoeffer, zubereitet von der Besitzerin Gabriela Zehnpfund mit ihrem Team, werden die Besucher*innen eingeladen, miteinander über ‚Familien-Erfahrungen‘ ins Gespräch zu kommen.

Ab 14.00 Uhr finden in der Bonhoefferkirche Friedrichsbrunn Vorträge, Gesprächsimpulse und Diskussionen statt. Dazu werden fachkundige Referentinnen sprechen:

Frau Pfarrerin Dr. Jutta Koslowski, Herausgeberin der Lebenserinnerungen von Susanne Dreß, der jüngsten Tochter der Familie, referiert über ‚Ehe, Kindererziehung, kulturelles Leben und politisches Engagement im Hause Bonhoeffer‘. Rückfragen im Plenum schließen sich an.

Im zweiten Teil des Nachmittags gibt Frau Dr. Insa Schöningh, Bundesgeschäftsführerin der evangelischen Arbeitsgemeinschaft Familie e.V. aus Berlin und Mitverfasserin der Studie der EKD von 2013 mit dem Titel ‚Zwischen Autonomie und Angewiesenheit. Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken‘, einige Denkimpulse zu ‚Familie leben heute‘.

Dass der 23. Bonhoeffertag 2020 einen Tag nach dem 111. Geburtstag von Susanne Dreß, geborene Bonhoeffer (22.8.1909 – 15.1.1991) stattfindet und zugleich an den Geburtstag der taffen

Großmutter Julie Bonhoeffer (21.8.1842 – 13.1.1936) erinnert, entspricht einer Tradition der Bonhoeffertage Friedrichsbrunn, die sich unterschiedlichen Aspekten der gesamten Familie widmen und in der Regel im zweiten Drittel des August eines Jahres stattfinden.